Der digitale Journalist

Fortschritt braucht Innovationen. Der Mensch hat das Feuer nutzbar gemacht, hat Dampfmaschinen entwickelt und auch den Computer erfunden. Langsam aber sicher stoßen wir an Grenzen des technischen Fortschritts. Der Mensch möchte sich nicht selber abschaffen, ist aber auf vielen Gebieten dabei, sich überflüssig zu machen. Der amerikanischen Firma „Narrative Science“ ist solch ein Kunstgriff gelungen. Sie hat ein Programm entwickelt, welches selbständig ganze Texte verfassen kann. Der autonom-digitale Journalist ist geboren.

Als Informatiker empfinde es als befremdlich, wenn Programme selbständig Texte schreiben, nur damit über ein Thema berichtet wird. Wenn der menschlich erzeugte Informationsmüll nicht mehr ausreicht, sorgen Algorithmen für entsprechenden Nachschub. Genau diesen Zweck erfüllt die von Narrative Science entwickelte Technologie. Aus Einzeldaten kreiert die Software ganze Texte, auf Wunsch zur entsprechenden Stimmungslagen und für die gewünschte Zielgruppe. Die Software kreiert einen Sportticker ebenso wie einen Finanzreport. Es sind nur ein paar Fakten nötig.

Wer entwickelt solch eine Software und vor allem wieso? Für einen Informatiker stellt sich die Frage: wie lässt sich ein Problem lösen und welchen Nutzen kann man damit erzielen. Für einen Investor hingegen stellt sich die Frage nach der Kosteneinsparung bzw. nach der Gewinnmaximierung. Diese Maxime ist für sich gesehen nicht verwerflich. Doch als Leser dieser automatisch generierten Meldungen wird man buchstäblich verarscht. Prinzipiell würde der Blick auf die wenigen originalen Daten genügen, um den Informationsgehalt zu erfassen. Mit dieser Lösung wird jedoch aus wenigen Datenschnipsel ein „aufgeblähter Roman“ ohne sonderlichen Mehrwert bzw. Nutzen generiert.

Mit solch einem Programm geht die Authentizität eines Textes vollkommen flöten. Auch die Wertschätzung für die Arbeit eines Journalisten ist damit nicht mehr gegeben. Schließlich leistet dieser Algorithmus prinzipiell die selbe „Arbeit“ wie der menschliche Kollege. Eigentlich könnte die Firma gleich die passenden Leseroboter mit dazu programmieren. Die könnten dann nicht nur für den Traffic auf Webseiten sorgen sondern zudem auch autonom die passenden Diskussionen generieren und führen. Eine digitale Welt erschafft sich selbst und sorgt für deren Erhalt. Das soll technischer Fortschritt sein?

Hoffentlich regelt das Internet solchen Unsinn von selbst. Ein Leser wird es jedoch nicht einfach haben zu erkennen, ob der literarische Erguss von einem Menschen geschrieben oder von einem Stück Software automatisch generiert wurde. Vielleicht aber klicken die Algorithmen selber irgendwann auf den Aus-Knopf. Das wäre absolut innovativ.

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Eine Antwort zu Der digitale Journalist

  1. tabascoman 7. März 2012 um 23:00 #

    Das scheint eine US-Firma zu sein. Die Resultate dieser Software sind sicher für US-Bürger. Also englisch und auch vom Niveau angepasst. Wer die Übersetzungsqualität von http://translate.google.com/ kennt, weiß was dabei rauskommen kann.

    Sollte die Qualität aber etwas besser sein, dann
    braucht man diese Software sicher in den USA wie in D. Meinungslenkung wird immer gebraucht. Heutzutage genauso wie bei früheren Machthabern. Bei Hitler hieß es „Gleichschaltung“ , bei Frau Merkel „Medien-Harmonie“.

    Zensur war gestern, soll es ja laut GG auch nicht geben. Dafür hilft man sich heute noch mit bezahlten Claqueren die passende Leserbriefe und Erfahrungsberichte schreiben und uns bestimmte Dinge glauben lassen. Z.B. daß man zwar das Wetter der nächsten 5 Tage nicht so ganz genau weiß, aber dafür umso besser das Klima in 500 Jahren. Oder welche Polit-Gurke (oder welcher Polit-Schurke) tunlichst bei der Wahl angekreuzt werden sollte, …

    Wenn Meinungsmache nun billiger wird …

    2 + 2 = 5 , sage es oft genug und es wird wahr!

    1984 war vor langer Zeit !

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