Beim Fußball trifft sich die geballte Intelligenz

Gestern beim Bundesliga-Relegationsspiel zwischen Fortuna Düsseldorf und Herta BSC kam es zu unschönen Szenen, um es mal vorsichtig zu formulieren. Pyrotechnik wurde aufs Spielfeld geschmissen, Rauchbomben gezündet, das Spiel wurde minutenlang unterbrochen und 2 Minuten vor Spielende stürmte gar der wilde Mob das Spielfeld. Nach dem Abpfiff gab es für die Fans dann gar kein Halten mehr. Vom Rasen bis hin zum Tor wurde alles „abgebaut“ und mitgenommen, was man eben so tragen konnte. Gestern trafen sich in der Düsseldorfer ESPRIT arena die beiden alten Bekannten „Dummheit“ und „Hass“.

Zur Verteidigung sei erwähnt: es sind nicht alle Fans so skrupellos und gehirnamputiert. Wenige gewaltbereite Idioten können ein ganzes Fest versauen. Doch so wenige Flachpfeifen wie angenommen, waren es beim gestrigen Spiel gar nicht. Begeisterung und Emotionen hin oder her. Da muss sich was ändern. Und da sich die Gesellschaft nicht verbiegen lässt, muss sich die Situation ändern. Es kann nicht sein, dass Fußballspiele von Schwachmaten regiert wird. Das Spiel ist dabei wohl pure Nebensache. Hauptsache es gibt einen Grund, kräftig die Sau raus zu lassen. Wenn es bei Randalen dann nicht einmal Festnahmen gibt, ist doch mehr als klar, dass Hooligans und Rowdys sich schon jetzt auf die nächste Schlacht freuen können.

Wenn man mit dem Flugzeug von Berlin nach München fliegt, wird man wie ein theoretischer Terrorist behandelt. Penible Taschenkontrolle und Leibesvisitation gehören zum Flugalltag. Doch wenn 50.000 Menschen auf engstem Raum zusammen kommen und man eigentlich schon aus Erfahrung weiß, es könnte Krawalle geben, erhält dennoch jeder Vollpfosten ungehinderten Eintritt bei lapidaren Einlasskontrollen. Fußball ist geschichtlich einfach anders vorbelastet als beispielsweise Hallenhalma.

Ich verstehe auch nicht, wieso man eskalierende Fußballspiele nicht unattraktiv macht. Was spricht dagegen, ein Spiel abzubrechen? Sollen die wütenden Fans sich einmal richtig austoben und alles zu Kleinholz schlagen. Wenn sich jedoch erst einmal herum gesprochen hat, dass ein Spiel bei der kleinsten Gewaltorgie abgebrochen wird, werden auch die Randalierer ihre Lust verlieren. Man muss den Grund für die Krawalle bekämpfen.

Ich möchte gar nicht wissen, wie solche Fußball-Spackos privat sind. Wahrscheinlich sesselfurzende Möchtegern-Machos; die auch gern Kinder ficken, wenn „die Alte“ mal wieder Migräne vortäuscht. Testosterongesteuerte Luftpumpen sind es allemal. Da kann man von der Polizei gern Hooligan-Datenbanken führen und vermehrt auf Kontrollen setzen. Solange es jedoch so einfach bleibt, im Stadion die Sau raus zu lassen, solange muss man mit diesen unschönen Nebeneffekten leben. Oder man beginnt beim Fußballbund umzudenken, in dem man dem Gewaltpotential die Attraktivität weg nimmt.

Die ganze Fußball-Industrie zeigt sich jedoch äußert träge und lernresistent. Ausschreitungen wie gestern in Düsseldorf sind keine neue Stufe der Gewalt. Auch in Leipzig und Dresden tobte schon öfters der Fußball-Mob. Aber was hätten wir gestern im Fernsehen für „tolle“ Bilder verpasst, wenn das Spiel hinter verschlossenen Türen statt gefunden hätte.

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