4U9525: In der Abhängigkeit des Piloten

Es zeichnet sich ab, dass das Schicksal um den Germanwings-Flug 4U9525 um eine Tragödie größer wird. Nicht technisches Versagen ist der Grund für den Absturz sondern menschliche Fügung.

Schon am Tag des Absturzes, am Dienstag den 24.3., war die tragische Stimmung kaum zu beschreiben. Für 150 Personen endete an diesem Tag das Leben. Abgestürzt mit einem Airbus in den französischen Alpen. Viel wurde anfangs spekuliert über technische Mängel. Doch zwei Tage später nach Auswertung des Voice-Recorders gab es eine Wendung, mit der die allerwenigsten gerechnet hatten.

Nach ersten Erkenntnissen hat der Co-Pilot bewusst und kontrolliert den Sinkflug eingeleitet und einen Suizid vollzogen. Er hat dabei 149 unschuldige Personen mit in den Tod gerissen. Das Unglück hätte nicht abgewendet werden können, da der erste Pilot sich zu diesem Zeitpunkt nicht im Cockpit befand. Auch konnte er sich später keinen Zutritt mehr verschaffen. Die Tür war verschlossen. Es müssen sich dramatische 8 Minuten an Bord abgespielt haben. So viel ist sicher.

Was bewegt einen 27-jährigen Piloten einen Selbstmord durchzuführen und dabei die Tötung von 149 weiteren Personen in Kauf zu nehmen? Der Täter hatte zwar „erst“ knappe 700 Flugstunden bei Germanwings geleistet, doch die Aufnahmeprüfung ist hart und rigoros. Journalisten haben bereits das Umfeld des Piloten durchleuchtet und keine Auffälligkeiten gefunden. Kollegen einer Segelfliegerschule beschreiben ihn als unauffällig und mit gereifter Persönlichkeit.

Blick in die Statistik

In diesem Fall braucht es keine Zahlen zu Flugzeugabstürzen oder technischen Defekten. Bei diesem Unglück zählt das menschliche Schicksal. Was viele gern ausblenden: pro Jahr gibt es in Deutschland circa 10.000 Selbsttötungen. Der Suizid ist daher eine nicht seltene Form des Todes. Jedes Jahr sterben auf deutschen Straßen circa 3.500 Menschen, wobei es zwischen diesen beiden Gruppen durchaus Überschneidungen geben kann.

Wir setzen uns in ein Taxi und vertrauen dem Fahrer, dass er uns unfallfrei zum Ziel bringt. Wir fahren mit dem Zug und hoffen darauf, dass Weichen korrekt gestellt sind und der Zugführer kein rotes Signal missachtet. Wir steigen in ein Flugzeug und verlangen, dass die Maschine ordentlich gewartet und kontrolliert wurde. Doch auch im Flugzeug legen wir unser Schicksal in die Hände von zwei, manchmal drei Personen. Unserer innerer Antrieb sagt uns, dass diesen Menschen das eigene Leben genau so viel wert ist wie das der Passagiere.

Vielleicht wird es zum Absturz von 4U9525 nie eine befriedigende Antwort geben. Weil derjenige der die wahren Antworten liefern könnte, mit den zu den Absturzopfern zählt. War es wirklich Selbstmord, so hinterlässt dies viele Fragen. Und man wird nach Verbesserungen im Betriebsablauf suchen. Eventuell wird es zur Regel, dass das Cockpit immer von mindestens zwei Personen besetzt sein muss; notfalls muss jemand von der Kabinencrew solange auf dem Stuhl des Piloten Platz nehmen.

Wir können durch technische Maßnahmen das Fliegen noch sicherer machen. Doch im Grunde kaschiert solch ein Unterfangen nur die wahre Problematik. Der Mensch lässt sich im Cockpit nicht (komplett) durch Computer ersetzen. Und wo Menschen arbeiten, lassen sich menschliche Schicksale nie zu 100 Prozent ausschließen. Das ist tragisch und rational zugleich.

In Gedenken an die 150 Todesopfer des Fluges 4U9525 von Barcelona nach Düsseldorf vom 24.03.2015.

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