DSDS polarisiert

Die Fernsehzuschauer müssen sich ab nächstes Wochenende wieder an ein geändertes TV-Programm gewöhnen. Die siebte Staffel von DSDS (Deutschland sucht den Superstar) endete mit einem Zuschauerrekord. Stellenweise wurde ein Marktanteil (am Werbemarkt) von über 30 Prozent erreicht. Für RTL ist DSDS mittlerweile so wichtig wie ein Fußballspiel unserer deutschen Nationalmannschaft. Und dass über DSDS so viel geschrieben und noch mehr diskutiert wird, kann RTL nur recht sein.

Es ist entschieden. Der in Hamburg lebende Mehrzad Marashi ist Gewinner der siebten Staffel Deutschland sucht den Superstar. Am Ende waren es angeblich ca. 10 Prozent Unterschied zu Menowin Fröhlich. Das Ergebnis entspricht unerwartet den Erwartungen. Die klassische Trennung in schwarz und weiß bzw. gut und böse hat wieder einmal bestens funktioniert. Der Großteil des Publikums und auch Teile der Jury hatten Menowin Fröhlich nicht nur verbal deutlich unterstützt. Doch dann kam am Freitag ein exklusiver Bericht des Kölner Express dazwischen, welcher die Stimmungslage kurz vor dem Ende nochmals kräftig durcheinander wirbelte.
Bereits seit dem 25. März liegt offenbar eine anonyme Anzeige gegen Menowin Fröhlich vor, in dem er wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz angezeigt wurde. Dass ausgerechnet einen Tag vor dem Finale diese Nachricht erscheint, ist nicht nur kurios sondern wohl zu großen Teilen auch so gewollt. In die selbe Kerbe schlägt dann sogleich die größte Boulevard-Zeitung die BILD, in dem sie von exklussiven Fakten berichtet. Angeblich soll Menowin größere Mengen Kokain im „DSDS“-Loft  gelagert haben, um es unter anderem den Mitstreitern anbieten zu können.

Punkt, Punkt, Komma, Strich fertig ist der Bösewicht.

Die Sendung lebt von Aufregern. Eine Nachricht wie „Menowin hat beim Frühstück einen Zahn verloren“ würde niemanden interessieren. Schon gleich gar nicht würde RTL damit etwas bewegen können. Im Grunde geht es nur um zwei Dinge: Einschaltquote bzw. Werbeerlöse und der Verkauf von Musiktiteln bzw. das ganze Geschäft rund um die Vermarktung der Kandidaten. Um es auf den Punkt zu bringen: das Geld regiert diese Sendung, und dies bereits seit der ersten Staffel. Da kann man schon berechtige Zweifel bekommen, ob die Abstimmungen wirklich den tatsächlichen Anrufen entsprechen. Denn unter Umständen favorisieren die Zuschauer andere Kandidaten, die RTL gern in der nächsten Sendung sehen würde. Der Good-Guy und der Bad-Boy müssen auf jeden Fall bis (fast) zum Ende mitgeschleift werden.

Seit dem Start von DSDS im Jahre 2002 wurde mehrfach das Konzept optimiert. Wer es vom Casting bis zu den Finalshows schafft, muss ein paar grundlegende Dinge mitbringen: unverwechselbares Äußeres, reißerische Privatstorys (Gefängnis, Misshandlung, Arbeitslosigkeit, etc.) und auf alle Fälle besser singen können als die restlichen Kandidaten. Dazu braucht es allerdings manchmal nicht all zu viel Können.

Die siebte Staffel wurde von RTL aufgezogen wie ein perfekter Krimi mit Lovestory-Charakter. Sex and Crime. Es gab in der Karibik viel nackte Haut zu sehen. Es wurden wieder einmal willige Kandidaten gefunden, welche bereitwillig sich und ihr Privatleben an den Sender verkauft haben. Es gab die passenden Nachrichten; angefangen von Drogenkonsum über alte Kamellen wie schwere Körperverletzung. Und die Kandidaten erfüllten willfährig ihre zugeschriebene Ecke. Der eine gab den Saubermann mit Schmusefaktor und der andere blieb der Bad-Boy mit dunkler Vergangenheit. RTL kann nur mehr als dankbar sein über die vielen Ecken und Kanten.

Die Zuschauer schalten ja nicht wegen ein paar – mehr oder weniger – gelungenen Songs ein. Sie wollen Herzschmerz, Aufreger und im privaten Sumpf der Kandidaten schnüffeln. Es ist schon schlimm genug, dass die kleinen Erwachsenen durch eine solch vorprogrammierte Marketinghölle geschickt werden. Dieses Business ist ungerecht, mit fiesen Fallen gespickt und knallhart. Wer sich nicht nach den Regeln verhält, wird fallen gelassen oder sogar komplett erniedrigt. Der Zuschauer verfolgt das ganze Spektakel mit einer Tüte Chips und einem Bier in der Hand, als säße man im Circus Maximus. Irgendwie hat sich zum römischen Reich nichts geändert: Brot und Spiele. Heute etwas reißerisch ersetzt durch Sex and Crime. Denn etwas anderes polarisiert die Zuschauer und etwas anderes würde diese Sendung auch nicht so erfolgreich machen. Eigentlich ein trauriges Bild unserer Gesellschaft. Denn wir sind die „Macher“ dieses von uns gewollten Programms.

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