Der 3D-Desktop von Google

Google hat bekannt gegeben, das Startup-Unternehmen BumpTop Technologies übernommen zu haben. Das Unternehmen hat den 3D-Desktop BumpTop für Windows und Mac OS X entwickelt. Es ist davon auszugehen, dass Google dieses Technologie in sein Betriebssystem Chrome OS integrieren wird. Doch wird damit die Welt des virtuellen Schreibtisches besser? Ich denke nicht, denn schon heute sind viele Computernutzer mit dem herkömmlichen 2D-Desktop hoffnungslos überfordert.

Da gibt es zum Beispiel einen Bekannten, der hat den ganzen Desktop mit Dokumenten zugekleistert. Begründung: Das sind alles Dokumente, die noch in Arbeit sind und somit noch nicht (endgültig) abgelegt werden (können). Er gerät sporadisch immer wieder von Neuem in leichte Panik, wenn ein Programm beim Installationsprozess sein eigenes Icon auf dem Desktop ablegt. Zum einen nimmt dieses Programmicon wertvollen „Speicherplatz“ auf dem Desktop weg; zum anderen sorgt das zusätzliche Icon für ungewollte Unordnung.

Ein anderer Bekannter hat den Desktop zum „Schnellstartcenter“ umfunktioniert. Jedes installierte Programm hat da sein Icon. Die Arbeitsweise ist dahingehend angepasst. Maximal 2 Programme sind gleichzeitig geöffnet. Wenn ein anderes Programm benötigt wird, werden erst die laufenden Programme verkleinert, um dann auf dem Desktop das Icon anklicken zu können. Daher wird meistens nur mit einem Programm (gleichzeitig) gearbeitet.

Meine Eltern sind von der dritten Spezies: Desktop? Wo ist der? Wenn man denen sagt, sie sollen die Datei auf dem Desktop speichern, geht jedes Mal von Neuem ein wildes Suchen los. Selbst wenn im Dateidialog auf der linken Seite ein großes Icon die Aufmerksamkeit sucht, finden sie den Desktop nie.

Und jetzt soll aus dem 2D-Chaos ein 3D-Desktop-Chaos werden? Super Idee. Wie viele nutzen bereits unter Linux Compiz-Erweiterungen ohne wohl jemals den genauen Sinn hinterfragt zu haben. Ein drehbarer 3D-Würfel mit vier virtuellen Desktopoberflächen macht die Arbeit auch nicht einfacher wie ein einziger Desktop. Auch unter Mac OS X werden die Spaces wohl eher selten benutzt. Es soll angeblich der bessern Ordnung und einer effizienteren Arbeitsweise dienen, wenn man seine Programme – nach Merkmalen – auf unterschiedlichen Desktops gruppiert. Ich kann nicht verstehen, wie durch einen höheren Arbeitsaufwand die Effizienz zunehmen soll. Bevor ich überlegen muss, auf welchen der vier Spaces das Programm sich niedergelassen hat, habe ich es mit zwei oder drei Schritten im Programmwechsel (CMD+TAB) schneller gefunden.

Ein 3D-Desktop ist ein nette Spielerei. Doch leider werden nur jene einen Nutzen daraus ziehen, die bereits jetzt höchst effizient mit dem Computer als Arbeitswerkzeug umgehen. Der gewöhnliche Alltagsnutzer wird die 3D-Darstellung mit den vielen zusätzlichen Desktopoberflächen eher als zusätzliche Hürde sehen. Die Verwirrung und das Arbeitschaos werden dabei wohl eher zunehmen.

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