Green-Washing zum Tetra-Pak

Seit Mitte Juli zeigt die Firma Tetra-Pak in ihren aktuellen Werbespots einen sprechenden Hasen, der über die Vorteile der Tetra-Pak-Verpackungen aufklären soll. Dabei ist der Tetra-Pak natürlich super umweltschonend und somit auch die beste Getränkeverpackung, die es überhaupt geben kann. Der Tetra-Pak besteht zu 75 bis 80 Prozent aus dem natürlichen Rohstoff Holz. Der Rest sind 21 Prozent Polyethylen und 4 Prozent Aluminium. Insgesamt kommt eine solche Verbundverpackung auf knappe 30 Gramm Gewicht (bei einem 1-Liter Gebinde). Unter der Microsite www.tetrapak-umwelt.de erklärt der Hase Bob im Detail: „Zukunft hat nur, was nachwächst“. Für den abgeholzten Wald mag dies zutreffend sein. Für den riesen Berg an Abfällen weniger.

Die Welt in der Werbung ist (fast) immer bunt und gut oder beides zusammen. In dem kleinen Werbesport zum Tetra-Pak erzählt der Hase Bob daher auch nur, welche Vorteile bei der Produktion erreicht werden. Was mit den Verpackungen nach deren Gebrauch passiert, interessiert das flauschige Häschen weniger. Und auch auf der Website von Tetra-Pak scheint dies nicht wirklich wichtig zu sein. Denn beim Recycling bekommt man die Verpackung nur sehr schwer wieder in ihre Einzelstoffe getrennt. Da wächst in der Produktion etwas zusammen, was man nachher fast nicht mehr auseinander bekommt.

Bei Tetra-Pak klingt dies – unternehmensbedingt – etwas anders (Seite zum Thema Recycling). Dort spricht man gern von den 145 Millionen Kilogramm  – oder umgerechnet magere 145.000 Tonnen,welche über das Duale System (Gelbe Tonne bzw. gelber Sack) in Deutschland im Jahr 2007 eingesammelt wurden. Dies entspricht einer Recyclingquote von 65 Prozent. Erstaunlich ist, dass man bei Tetra-Pak anscheinend ganz genau weiß, wie viel Tonnen der Verpackungen beim Dualen System und wie viel Tonnen im normalen Hausmüll gelandet sind. Da muss jemand in einem Recyclingcenter die Waage rausgeholt und per Stichprobe genau gewogen haben, wie viele Tetra-Paks dort übers Sortierband gelaufen sind.

Nun denn, die 145.000 Tonnen Verbundverpackungen werden auf alle Fälle vollständig(!) recycelt. Und dies bereits seit den 80er Jahren. Das Verfahren liest sich auch recht einfach. Die Verpackungen werden zerkleinert. Dann wird Wasser dazu gegeben. Der Karton quillt auf und trennt sich dabei vom Kunststoff und dem Aluminium.  Dazu braucht es nicht einmal Chemikalien. Der Kunde glaubst und ist zufrieden. Nur, wie trennt sich die Kunststofffolie von der Aluminiumschicht, wenn beide Stoffe direkt miteinander verbunden sind?
In einem Beitrag der Wikipedia stellt sich das Thema Wiederwendung bzw. Recycling etwas komplizierter dar. Dort ist die Rede von einer neu entwickelten Plasmatrenntechnik. Dabei wird der Kunststoff per Plasmastrahl vom Aluminium getrennt. Laut Hersteller lassen sich die drei Verbundstoffe so zu 99 Prozent in ihre originalen Bestandteile trennen.

Schade an der Geschichte ist nur, dass das neue Plasmatrennverfahren erst seit 2008 existiert. Beschämend für die Umweltkampagne von Tetra-Pak ist zudem die Tatsache, dass dieses tolle Verfahren vorerst nur in einem Werk in Brasilien angewendet wird. „Zukunft hat nur, was ehrlich getrennt wird.

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Eine Antwort zu Green-Washing zum Tetra-Pak

  1. Timon 17. September 2010 um 08:20 #

    Danke für’s Mitdenken! Diese Tetra-Pak-Kampagne (gerade jüngst wieder im TV) ist schwer zu ertragen.

    Ein guter, weiterführender Artikel zum Thema Getränkekarton und Recycling: „Ökologisch vorteilhaft“? – Pfandprivileg für Getränkekartons muss überprüft werden

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