Plattenspieler mit VinylPlattenspieler mit Vinyl: birgitH / pixelio.de

Das Comeback der LP oder doch nur ein Vinyl-Hype?

Die LP ist tot. Lange lebe die Langspielplatte. Nach CD und MP3 glaubte die Mehrheit an einen schleichenden Tod der Vinyl-Platten. Doch nun kommt es zu einem Comeback. Wie lange wird es wohl dauern, bis die LP wieder für tot erklärt wird?

Polyvinylchlorid, oder in der Kurform PVC oder in der chemischen Schreibweise C2H3Cl, ist der Stoff bei welchem Audiophilisten ins Schwärmen geraten. Es geht um Kernpunkte wie weicher, unverwechselbarer und echter Klang, großes Klangspektrum, Haptik, große Cover und lineare Reihenfolge der Songs. Und dann ist die Vinyl auch mittlerweile zu etwas Besonderem geworden. Auferstanden von den Toten erlebt die analoge Technik ein Comeback. Manche Alben erscheinen gar nur in der exklusiven und reduzierten Version einer Langspielplatte.

Betrachtet man sich den Absatz der LP in den USA von 1993 bis 2012, pendelte die Menge immer zwischen 300.000 und 1,5 Millionen Stück. Am Gesamtumsatz aller verkauften Tonträger in den USA macht die Langspielplatte jedoch nur einen Anteil von mageren zwei Prozent. Daran ändert auch nichts der spürbare Anstieg auf zuletzt 4,6 Millionen verkaufter Einheiten im Jahr 2012. Die Vinyl bleibt ein Nischenprodukt. Und so verwundert es auch nicht, dass der Mainstream nicht auf Scheibe gepresst wird.

Den größten Nutzen und das größte Interesse an dieser wieder entdeckten Renaissance der Schellackplatten dürften die vielen Vinyl-Händler und Hersteller von Langspielplatten-Spieler haben. Einfache Schallplattenspieler liegen im Schnitt bei circa 400 Euro. Wer etwas auf die Technik hält, legt jedoch mindestens 1.000 Euro auf den Tisch. Doch es gibt auch die absoluten Nerd-Geräte mit Drehzahlregulierung per Infrarotabtastung oder Tonarme aus Karbon für 5.000 Euro und mehr. Und Bewertungstexte lesen sich wie Schwadronen auf 100 Jahre alte Rotweine: „Auch klanglich ist die Kombination [..] ein Verwöhnprogramm, sie harmoniert perfekt und eröffnet in ihrer Preisklasse neue audiophile Horizonte.“ (av-magazin.de)

Vinylläden sind stellenweise wie verstaubte Bücherläden. Reihenweise Exoten in und vor den Regalen. Da wird gern mal stundenlang geschmökert und auch sonst scheint die Zeit in solchen Läden still zu stehen. In den 90ern war der Vinylshop eine hippe Bude, wo sich Diskjockeys mit neuen Techno-Platten eingedeckt hatten. Heute sind die Läden jedoch gut sortiere Sammelstellen für Vergessenes und Besonderes. Für ein Sammlerstück oder eine reduzierte Pressung zahlt der Vinyl-Liebhaber gern mal 40 oder 50 Euro.

Die Vinyl hat neben den Hardcore-Liebhabern aber auch die LP-Verächter. Viele empfinden das Knistern im Klang als störend oder die warme Klangfarbe als befremdlich. Und auch die Handhabung und Lagerung der großen Platten finden viele nicht gerade als Vorteil. Zudem sind Plattenspieler keinesfalls so simpel und automatisch bedienbar wie beispielsweise ein CD-Player. Und mobile Plattenteller gab und wird es nie geben. Außerdem muss man mit einem begrenzten Musikangebot leben.

Vinyl ist ein teures Hobby oder es wird zumindest zu einem solchen gemacht. Es gibt viele Dinge zum Sammeln: nach den Fotos kommt sofort die Schallplatte (inklusive anderer Tonträger und Filmmaterial), gefolgt von Urlaubsmitbringseln, Erbstücken und Briefen. Den Massenmarkt wird die Langspielplatte nicht mehr zurück erobern. Es ist eher die Frage, wann sie in die absolute Bedeutungslosigkeit verschwindet. Solange jedoch die Liebhaber genügend Zeit und Geld für dieses teure Hobby haben, wird auch die Vinyl noch Jahre weiter „leben“.

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