Teures Frühstück im Becher

Überfluss treibt manchmal sonderbare Blüten. Einzeln abgepackter Kaffee in Kapseln, Mineralwasser in 0,1 l Fläschchen oder auch das Frühstücksmüsli im proportionierten Becher. Günstig und umweltschonend geht anders.

Recht erfolgreich sind seit ein paar Jahren die Jungs von MyMüsli. Für relativ teures Geld lassen sich individuelle Müslisorten zusammen mischen. Schnell haben sie den Bedarf an hochwertigen Sorten und die Bereitschaft der zahlfreudigen Kundschaft erkannt. Seit einiger Zeit bieten sie auch vorportionierte Müslibecher an. Einfach Milch oder Joghurt dazu geben und loslöffeln. So die markige Werbebotschaft. Doch die simple Individualität hat ihren Preis: das Müsli im Becher kostet stolze 19,50 Euro pro Kilo. Damit ist es mehr als sechs Mal so teuer wie vergleichbares Müsli aus dem Supermarkt.

Dass in diesem Marktsegment gutes Geld zu verdienen ist, wissen auch die etablierten Produzenten. So verwundert es nicht sonderlich, dass auch Dr. Oetker ein Müsli im Becher anbietet: Vitalis Schoko-Genießer-Müsli, Vitalis Fruchtiger-Morgen-Müsli oder Vitalis Knuspriger Durchstarter. Klangvolle Namen für eine teure Mahlzeit. Im Becher sind jeweils 80 Gramm und diese kosten 1,29 Euro (16,12 EUR/Kg). Man kauft eine Handvoll Müsli samt Einwegbecher. Im Supermarktregal stehen daneben die normalen Packungen; dort kostet das Kilo hingegen nur 4,98 Euro. Die Vitalis-Becher sind somit mehr als drei Mal so teuer.

Für wen sind die Müsli-Becher?

Etwa hämisch könnte man antworten: für Leute die keine Müslischale abspülen können oder wollen. Auf Arbeit oder Ausbildung mag dies noch einleuchten. Denn wohin mit dem benutzen Becher, wenn das Müsli gegessen ist? Eine simple und kostengünstige Lösung könnte lauten: Plastikschüssel mit verschließbaren Deckel. Eine einfache Schale mit Deckel kostet keine drei Euro. Morgens das Müsli rein, Löffel einpacken, fertig. Wieder zuhause wird die Schüssel ausgespült und ist für den nächsten Einsatz bereit. Der Joghurt oder die Milch muss schließlich auch im gesonderten Becher solange mitgeführt werden, bis man das Müsli essen möchte. Wer isst schon gern aufgeweichte Haferflocken, die bereits ein paar Stunden in der Milch liegen.

Es könnte jedoch auch der Hang zur Abwechslung sein. Wer eine normale Packung Müsli kauft, knabbert daran mehrere Tage. Mit Einzelportionen ist Abwechslung garantiert. Heute Schoko, morgen Beeren, übermorgen Knusper. Doch wie weit soll die Abwechslung reichen? Haferflocken bleiben Haferflocken. Selbst mit zwei unterschiedlichen Packungen erreicht man schon ausgiebige Vielfalt.
Vielleicht sind die kleinen Becher aber auch nur für jene Leute, die eine ganze Müslipackung nicht im Schrank verstauen können, dafür aber 10 Becher einzeln nach Hause tragen. Apropos Becher: ist es Verbrauchertäuschung, wenn eine Verpackung nur circa zu einem Drittel gefüllt ist?

Verstoß gegen die Verpackungsverordnung?

Das Gesetz zu Verpackungsverordnung schreibt vor, dass Packungen nicht den tatsächlichen Inhalt vortäuschen dürfen; zum Beispiel durch doppelte Böden, aufgeblasene Tüten oder dicke Innenwände. Man spricht im rechtlichen Sinne von einer Täuschung, wenn der Luftanteil im Innern mehr als 30 Prozent beträgt. Wie steht es also um die Müsli-Becher? Oder gilt der „reservierte“ Platz für die Milch nicht als Täuschung?

Auch die Bloggerin von Herzkirsche hatte schon 2011 festgestellt, dass diese kleinen Müslibecher nur etwas für Leute sind, die in Mathe mehrmals sitzen geblieben sind. Die beschworene Vielfalt ist überteuerter Mampf. Das Müsli in diesen Bechern kostet mehr als das Dreifache als eine normale Vorratspackung. Nach einer Woche ist auch eine gewöhnliche Müslipackung leer und man kann sich eine andere Geschmacksrichtung kaufen. Und wer Einmal-Becher nutzt, muss konsequenterweise auch Einmal-Löffel kaufen.

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