Glosse: der kleine Nazi (in uns)

Der deutsche Verfassungsschutz investiert jedes Jahr mehrere Hunderttausend Euro in V-Leute, welche der rechten Szene zugeordnet werden. Politiker wie Presseorgane sind erschüttert darüber, wie das sein kann. Ebenso zeigen sich alle fassungslos darüber, wie der braune Schmodder sich über Jahrzehnte halten konnte und zu den grausamen Morden an türkischen Imbissbudenbesitzern geführt hat. Und hört man Bekannte und Freunde darüber reden, versteht erst recht keiner die verwirrten Nationalsozialisten. Ein Freund bringt es mit einem Sticker auf den Punkt: Nazis raus.

Doch wer sind diese Nazis? Haben Sie einen im Bekanntenkreis? Ab und zu sieht man sie. In den Nachrichten. Da marschieren dunkel gekleidete Menschen mit rot-weißen Fahnen durch unsere Straßen und rufen unbequeme Parolen. Oder sie heben den rechten Arm. Ein Gruß unter Freunden quasi. Ganz mutige Reporter versuchen ein Interview bei den braunen Genossen zu bekommen. Ist aber meist nicht so einfach.
All dies passiert, damit wir die schlimmen Gräueltaten aus dem dritten Reich nicht vergessen. Sie wissen schon. Damals. Dunkeldeutschland. Regiert vom kleinen Adolf. Außerdem wird die rechte Szene vom Verfassungsschutz beobachtet, weil man die NPD (Nationaldemokratische Partei Deutschlands) eh am liebsten schon gestern verbieten würde. Kurz um, nur die Dumpfbacken in unserem Land zeigen offen ihre rechte Gesinnung. Alle anderen sind strikt gegen Ausländerhass, fremdenfeindliches Irgendwas und das ganze Hakenkreuz-Merchandising.

Linksradikalimus hat die gewisse soziale Note. Rechtsextremismus hingegen ist ein Volkssport für die geistigen Verlierer. Keiner, aber auch wirklich niemand würde nationalsozialistische Tendenzen äußern; außer vielleicht mal im besoffenen Zustand. Bei Wahlen rutscht der Stift auch gern mal aus Versehen auf die Felder dieser rechtsgesinnten Parteien. Bekommt aber keiner mit, weil Wahlen in Deutschland immer noch geheim sind. Nur das öffentliche Ergebnis verwundert dann wieder alle. Frustrierte Protestwähler heißt es dann.

Wenn aber reinrassige(!?) Deutsche einen Ausländer töten, oder versuchen zu töten oder einfach nur andeuten, sie würden gern mal einen Ausländer töten, dann dauert es bis zur entsprechend medialen Reaktion nicht lange. Die Presse schreibt nämlich mit Vorliebe über Nazi-Themen. Wahrscheinlich reden wir deshalb – 50 Jahre nach dem ersten Gastarbeiter – immer noch bewusst vom Türken. Auch das Wort Migrant oder die Steigerung „Deutscher mit Migrationshintergrund“ sorgen für die bewusste Trennung. Hier der tote Türke, dort der deutsche Nazi. Für die Presse wäre es absolut gruselig, wenn sie über einen mordenden Nazi-Türken berichten müsste. Dies würde das „heile“ Weltbild völlig auf den Kopf stellen.

Was aber passiert, wenn Ausländer – also Fast-Deutsche mit wesentlichem Migrationshintergrund – zum Täter werden und ein Echt-Deutscher tot auf dem Boden liegt? Eines ist dabei klar: Tumulte im deutschen Pressewald. Missglückte Integrationspolitik, schlechte Erziehung, Langeweile, Islamverfechter, Dschihadkämpfer, Terrorist. Unter Freunden werden dann gern die schweren Geschütze aufgefahren: Lebenslange Haft, Abschiebung, Gleiches mit Gleichem vergelten, alle Ausländer raus, Deutschland den Deutschen … Moment! Waren wir nicht alle gegen diese rechten Parolen? Ja schon. Aber wer sich nicht an deutsche Gesetze hält, der hat hier nichts zu suchen. Verstehe! Ist ja immer noch ein kleiner Unterschied, ob ein Nazi-Deutscher tötet oder ein Migrationsdeutscher die Gesetze missachtet. Der eine ist und bleibt ein böser Nazi und der andere hat in Nazi-Deutschland nichts verloren.

Und alle geben sich verwundert. Wen wundert’s!

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Eine Antwort zu Glosse: der kleine Nazi (in uns)

  1. Reno Valentin 26. Dezember 2011 um 22:18 #

    Ganz nach dem Prinzip:

    Teile und herrsche. Solange noch geistige Unterschiede gemacht werden, wird es den ganz normalen alltäglichen Rassismus in Deutschland geben, dem sich diverse Parteien vor allem vor Wahlen gerne bedienen.

    Erst wenn man aufhört vom „Deutschen“ und vom „Ausländer“ zu sprechen, kann man halbwegs von Integration sprechen.

    Ansonsten werden die Unterschiede immer wieder genutzt. um die Menschen zu teilen und ihre Ängste auszunutzen.

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