Wer nervt unter der Telefonnummer 0621-1233500?
Es sind Wahlen. Da ist es ganz wichtig, dass die deutschen Meinungs- und Forschungsunternehmen sich in der Bevölkerung umhören und nach deren Stimmungslage fragen. Daran ist an sich nichts einzuwenden. Doch oft endet dies in einem völlig entnervten Telefonanruf.
Vorgestern Abend klingelt das Telefon. Im Display leuchtet die Nummer 0621-1233500 auf. Wer mag das wohl sein denke ich mir, und nehme das Gespräch an. Am anderen Ende ist ein völlig enthusiastischer Call-Center-Mitarbeiter und meldet sich mit “Hallo, hier ist Herr X von der Forschungsgruppe Wahlen.” Oh nein, denke ich mir und bin schon fast geneigt, gleich wieder aufzulegen. Ich habe nämlich prinzipiell keine Lust, meine Meinung in solchen Befragungen kund zu tun. Der anfangs nette Herr schafft es dennoch, durch sein Dauergequatsche mich in ein Gespräch zu verwickeln. Schnell entwickelt sich dieses allerdings zu einem kleinen Streitgespräch. Ich erkläre ihm, dass ich an solchen Befragungen keine Lust habe. Diese Aussage genügt ihm nicht und bequatscht mich, ob ich nicht dennoch mal Interesse an einer solchen Befragung hätte. Auf mein eindeutiges Nein geht er erst gar nicht ein. Für ihn ist es eher wichtig zu erklären, worin der Sinn und die Wichtigkeit solcher Meinungsforschungen liegt.
Dass ich immer noch nichts von solchen Telefonanrufen halte, scheint ihn nicht weiter zu interessieren. Er weitet das Gespräch in Richtung allgemeine Stimmungslage aus und findet es gerade deshalb wichtig von mir zu wissen, wie ich zu der aktuellen politischen Lage stehe. Offensichtlich ist mein Gegenrudern für ihn ein weiterer Ansporn, das Gespräch weiter zu führen. Nach ca. 5 Minuten erkläre ich ihm, dass die Befragung unter diesen Umständen keine sachliche Aussage hervor bringen würde. Je mehr “angefressen” ich durch das Telefonat bin, um so mehr negativ und einseitig würden meine Aussagen ausfallen. Er kontert erneut: “Haben Sie nicht doch Lust, an solch einer Befragung teilzunehmen?” “Nein!” lautet meine unmissverständliche Antwort. Um mir nicht länger die Zeit zu stehlen und dennoch gute Manieren zu zeigen, erkläre ich ihm eindeutig das Gesprächsende. Darauf geht er allerdings nicht ein. Ich wiederhole meine Abschiedsfloskel: “Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Abend und hoffe, dass Sie bei anderen Teilnehmern mehr Glück haben.” Keine Antwort, keine Abschiedsformel seinerseits. Kurze Stille. Dann wieder: “Haben Sie nicht doch Lust, nun die Umfrage zu machen?” “Nein, wie oft soll ich Ihnen das noch erklären? Tschüss!“. Wieder keine Reaktion. Ich habe dezent das Gefphl, dass er sich über den Verlauf dieser Unterhaltung amüsiert. “Wollen Sie nicht vielleicht doch?” Meine Kurzantwort: “Auf wiedersehen!“. Er wieder: “Ich finde es … “. Ich: “Tschüss!“. Er nimmt für einem Satz Anlauf, doch da bin ich mit dem Auflegen bereits schneller.
Am nächsten Abend klingelt wieder das Telefon. Die selbe Nummer. Oh nein denke ich mir und begrüße den Call-Center-Mitarbeiter prompt mit “Bitte nicht schon wieder.” Der ist etwas verdutzt über die Begrüßung und kontert mit: “Ja, ich habe hier im System eine Nachricht, dass wir Sie erneut anrufen sollen.” Bitte was? Meine Aussagen von gestern haben wohl nicht genügt. Der andere Kollege sah sich wohl genötigt, dieses kleine Streitgespräch im System zu speichern mit den Hinweis, dass ich erneut angerufen werden sollte. Frechheit. Ohne meinen Gesprächspartner groß zu Wort kommen zu lassen, erkläre ich ihm die Lage von gestern. Und ich weise ihn unmissverständlich darauf hin, dass ich an solchen Befragungen Null Interesse habe. Und um einen dritten Anruf zu verhindern, bitte ich ihn, meine Nummer aus dem System zu löschen. Er nimmt dies zur Kenntnis und bedankt sich etwas kleinlaut für die Störung.
Wer hat mich da nun angerufen? Eine kurze Recherche zu der Telefonnummer führt mich zu der Internetseite der Forschungsgruppe Wahlen. Die Forschungsruppe Wahlen ist ein eingetragener Verein und ist – laut eigenem Hinweis – für die wissenschaftliche Beratung und Betreuung von Wahlsendungen des Zweiten Deutschen Fernsehens (ZDF) zuständig. Das ZDF steckt also hinter diesen nervigen Anrufen. Es ist etwas befremdlich, dass ein solch penetrant auftretendes Meinungsforschungsinstitut von einem öffentlich-rechtlichen Sender finanziert oder zumindest durch GEZ-Gelder unterstützt wird. Es ist zu hoffen, dass bei den Befragungen nicht solch sinnfreie Ergebnisse wie das ZDF-Krisenbarometer dabei rauskommen.
Und hier noch ein kleiner Hinweis für die Forschungsgruppe Wahlen. Ich gehe am Sonntag natürlich zur Europa-Wahl. Und zum Glück kann ich mein Kreuz nicht beim ZDF machen. Denn dieser Fernsehsender würde von mir keine Stimme bekommen.





Ging mir heute ähnlich, hier ein Ausschnitt…
Freundliche Frau: “Sie haben jetzt endlich mal die Möglichkeit, Ihre Meinung zu sagen”.
Ich: “Diese Möglichkeit habe ich bei der Wahl und dann werde ich sie auch nutzen”.
Freundliche Frau: “Aber wir würden’s gerne vorher wissen”
Ich: “…”
Liebes ZDF: Wie wär’s mit ner Glaskugel?