Opera 10 – altbacken, ohne große Innovationen
vom 27. Dezember 2008Das norwegische Opera-Team arbeitet gerade an der neuen Version 10 des “Schweizer Taschenmessers” fürs Internet. Der Opera-Browser fristet schon seit seiner “Geburt” ein Nischendasein in der Internetgemeinde. Früher und auch heute gilt er als “unsexy” und unhandlich. Dafür überzeugt Opera wie kein anderer Browser mit einer unüberschaubaren Möglichkeit von Einstellungen. Fast alles lässt sich an die persönlichen Bedürfnisse anpassen. Auch beim Thema Geschwindigkeit hatte er lange Zeit die Nase vorn. Zudem beinhaltet er Unterprogramme für Mail-Client, BitTorrent und IRC. Dies macht den Opera daher als Komplettlösung für alle Aufgaben im Internet interessant.
Am 3. Dezember wurde die erste Alpha des neuen Opera (Peregrine) veröffentlicht. Damit steht auch fest, welche neue Fähigkeiten im Opera 10 enthalten sein werden: die Geschwindigkeit wurde (ein weiteres Mal) verbessert, der ACID-Test wird zu 100 Prozent erfüllt, eine automatischer Updatemechanismus wurde integriert und der Mail-Client wurde etwas verbessert (HTML-Mails, etc.).
Dies alles täuscht nicht darüber hinweg, dass am Gesamtkonzept beim Opera immer noch alles beim Alten ist. Dem norwegischen Browser täte eine grundlegende Radikalkur gut. Auch in der 10er-Version wirkt er ebenso altbacken wie zu früheren Versionen. Das Programmgebilde hat über die Jahre keine neue Oberfläche spendiert bekommen. Dazu zähle ich nicht die Möglichkeit, mit Themes den Browser aufzuhübschen. Der Browser wirkt in einer Windows- wie auch in einer Linux-Umgebung wie ein Fremdkörper. Der Menüpunkt mit den Einstellungen ist ebenso undurchsichtig und unstrukturiert wie die Verwaltung der einzelnen Mail-Accounts.
Auch an vielen anderen Baustellen lebt man mit dem Opera im programmtechnischen Steinzeitalter. Der große Konkurrent Firefox hat diesbezüglich die Messlatte sehr hoch gesetzt. Die Erweiterung des Browsers mit Plug-Ins und Add-Ons ist im Firefox geradzu mustergültig gelöst. Im Opera hingegen sucht man nach persönlichen Erweiterungen vergeblich – bis auf ein paar lausige Widgets abgesehen.
Auch der Inhaltsblocker ist eine solche Baustelle. Er funktioniert nur widerwillig und auch nicht bei allen Elementen. Und wer schon einmal versucht hat, ein spezielles Element dort hinzu zu fügen, sieht sich einer kleinen Tagesaufgabe gegenübergestellt: Quelltext öffnen, mühsam das unerwünschte Element ausfindig machen, Adresse kopieren und danach im Inhaltsblocker einfügen. Am besten funktioniert dies mit Bildern und Javascript-Dateien. Nicht funktioniert es hingegen bei Inline-Frames oder bei eingebetteten Javascript-Codes. Beim Inhaltsblocker wäre es dringend an der Zeit, diesen grundlegend zu überarbeiten.
Dies alles wäre zu verschmerzen, wenn wenigsten die bereits im Browser enthaltenen Helferlein ihre Arbeit zur vollen Zufriedenheit erledigen würden. Doch auch im Opera 10 sind die offenen Posten immer noch die selben wie bereits vor Jahren:
- LDAP (Lightweight Directory Access Protocol) ermöglicht es, von einem zentralen Server die Mailadressen und Kontaktdaten abzurufen. LDAP wird wohl nie in den Opera-Mail-Client integriert werden. Gründe, welche gegen eine solche Integration sprechen würden, sucht man vergeblich.
- Auch die Speicherung von Formulareingaben gibt es nicht im Opera 10. Die tägliche Arbeit erleichtert dies nicht unbedingt. So muss man häufig gestellte Suchmaschinenanfragen immer wieder neu eingeben. Auch in Formularen von Shops kann dies zu einer nervtötenden Angelegenheit ausarten.
Der neue Opera 10 ist kein besonders großer Wurf. Es reicht für eine solch hohe Versionsnummer wohl kaum, wenn man ein bisschen die Geschwindigkeit verbessert und die CSS-Vorgaben so nah wie möglich umsetzt. Das Team hat zwar endlich dem Mail-Client auch das Erstellen von HTML-Mails beigebracht. Doch gerade für die tägliche Arbeit wäre LDAP ebenso sinnig wie dass der Browser die Eingaben in Formularfeldern sich merkt. Und dass der Inhaltsblocker nur widerwillig die Arbeit verrichtet, ist eigentlich nicht länger hinnehmbar.
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