Müllschlucker sollen aus Hochhäuser verschwinden
vom 18. Februar 2009In Berlin gibt es noch viele Hochhäuser mit Müllschlucker. Unter anderem betreibt die Wohnungsbaugesellschaft Gesobau mehrere Objekte mit diesen Müllabwurfanlagen. Doch nun sollen schrittweise diese Müllschlucker verschwinden. Die Mieter formieren Widerstand. Völliger Müll meiner Meinung.
Müllschlucker sind spezielle Abfallbeseitungsanlagen. Dabei wird – gerade in Hochhäusern – auf jeder Etage auf dem Flur eine Einwurföffnung eingebaut, in welche der Müll hineingelegt und dann per Rutsche oder Fallrohr im Erdgeschoss oder Keller installierter Mülltonne aufgefangen wird.
Im Zuge der Modernisierungsmaßnahmen der Gesobau sollen diese Müllschlucker geschlossen werden. Vertretbare Begründungen hierzu gibt es viele: Verstopfungen in den Fallrohren, Brände, hohe Betriebskosten und unhygienische Zustände. Darüber hinaus geben die Müllklappen keinen Anreiz zum Mülltrennen. Denn es gibt für alle Arten von Müll nur einen einzigen Müllschlucker.
Der Widerstand gegen die Schließung der Müllschlucker kommt spezielle von den älteren Mietern. Diese sind sehr verbittert über die Entscheidung. Sie befürchten, dass der Müll in den Fahrstühlen abgelagert wird oder aus dem Fenster geworfen wird. Außerdem, und dies war der Hauptgrund in einem Interview mit einem Renter: “Wir sind nicht mehr so jung, und nicht mehr so fit wie die jungen Leute, die ihren Müll runtertragen können.”
Alles klar. Müllschlucker sind praktisch. Das Mülltrennen erübrigt sich und die Entsorgung ist denkbar einfach. Mit dem Müllbeutel auf den Hausflur schlendern, ab damit zum nächsten Müllschlucker, klappe auf, Müll rein, Klappe zu und der Müll ist weg. Wenn sich gerade die älteren Mieter nicht zum Müllwegtragen berufen fühlen und ihnen diese Arbeit zu anstrengend ist, frage ich mich: und wie kommt der ganze Einkauf in die eigene Wohnung? Wer sein Essen noch alleine nach hause tragen kann, kann auch den Müll ein paar Meter (zur nächsten Tonne) tragen.
Alleine die hygienischen Zustände wären für mich als Vermieter ein Grund für die sofortige Schließung solcher Anlagen. Auch die ständigen Verstopfungen und die damit hohen Betriebskosten wären für mich als Mieter ein Argument, mich von den Müllschluckern verabschieden zu wollen.
Und dass die Mieter durch diese “Schlucker” faul geworden sind bei der Mülltrennung, braucht einen nicht zu wundern. Aber ist es wirklich so mühsam und aufwendig, das bisschen Papier und Glas eines Zweipersonenhaushaltes einmal in der Woche auf die Tonne im Hof zu tragen?
Manchmal muss man eingerostete Mieter behandeln wie kleine Kinder: heute lernen wir die Mülltrennung. Und Renter, welche nun ohne Müllschlucker an spontaner Arthritis leiden, müssen zwangsweise ins Parterre ziehen.
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