Lotto darf nicht süchtig machen
vom 13. Oktober 2009Manchmal sind es die kleinen Zwischentöne, die Pressemeldungen so interessant machen. Die BILD-Zeitung hat heraus gefunden, dass Lotto spielen ab Anfang des Jahres 2010 teurer werden soll. So soll eine einzelne Reihe zukünftig 90 Cent oder gar einen Euro kosten. Dafür werden die Gewinnklassen neu eingeteilt und die Zusatzzahl soll gänzlich wegfallen. Mit der neuen Regelung soll eine weitere Gewinnklasse eingeführt werden: zwei Richtige mit Superzahl. Die Superzahl soll laut Meldung dann auch für alle anderen Gewinnklassen gelten. Als Grund gibt der Deutsche Lotto- und Totoblock den schwindenden Umsatz an. Dieser sank in den letzten vier Jahren um 1,6 Milliarden Euro auf 6,5 Milliarden. Dies sei der niedrigste Umsatz seit zwölf Jahren.
Etwas unpassend dazu ist die Stellungnahme des Deutschen Lotto- und Totoblock auf der eigenen Website mit dem Titel Keine Kommerzialisierung des Glücksspiels. Auf der Seite nehmen drei bekannte Politiker Stellung zum Glücksspiel, der Suchtprävention und der Kommerzialisierung.
So schreibt z.B. Renate Schmidt, Mitglied des Deutschen Bundestages und Bundesfamilienministerin a.D.: “Es darf nicht sein, dass private Unternehmen die Spielleidenschaft der Bevölkerung gezielt anheizen und damit Profite erzielen, während die sozialen Folgen übermäßigen Spiels wie Überschuldung, Spielsucht oder Begleitkriminalität die Allgemeinheit trägt.” Für private Unternehmen gelten anscheinend verschärfte Regeln. Für die staatliche Lotterie gelten diese Vorgaben allerdings wohl nicht, wenn man den Umsatz mit den neuen Lottoregelungen wieder in die Höhe treiben möchte.
Etwas sinnentleert ist die Aussage von Dr. Rudolf Seiters, Präsident des Deutschen Roten Kreuzes und Bundesminister a.D.: “Nur ein staatliches Angebot garantiert, dass der natürliche Wunsch des Menschen nach Glücksspiel in geordnete Bahnen gelenkt und der Spielsucht wirksam vorgebeugt wird.” Wieso schafft dies nur ein staatliches Angebot? Wo liegt der Unterschied zu privatwirtschaftlichem Glücksspiel? Und wie ist dies mit der neuen Regelung vereinbar, dass nun auch bereits mit zwei richtigen Zahlen gewonnen werden kann? Unterstützt dies nicht zusätzlich eine mögliche Spielsucht?
Das staatliche Lotto hat es nicht leicht. Auf der einen Seite muss man der Glücksspielsucht entgegen wirken. Auf der anderen ist man aber auch getrübt, wenn der Umsatz nach unten zeigt. Die Lage ist nicht nur pervers, sie ist auch dezent schizophren. Die neuen Regelungen dienen dem einen Zweck: die Leute sollen wieder mehr Lotto spielen. Aber was ist dann mit der Spielsucht? Die ist wohl nur halb so schlimm, denn es handelt sich ja beim Lotto um ein staatlich kontrolliertes Glücksspiel. Und schließlich ist es wohl besser, wenn das Volk lieber mehr staatliches Lotto spielt als in privaten Lotterien sein Glück versucht.
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