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Hyper-Englisch beim Fahrradkauf

vom 20. Februar 2007

E-Mail. Sales. Drive-In. Back-Shop.

Englisch wirkt cool, exotisch und manchmal einfach nur lästig.

Vieles klingt übersetzt ins Deutsche kompliziert. Oft wird aus einem knappen “E-Mail” ein überlanges Wort wie “elektronische Nachricht”. In solchen Fällen ist der englische Begriff nicht nur schneller zu schreiben sondern auch griffiger.

Im Fahrradladen allerdings scheint Englisch den Wert der Ausstattung um den Faktor zwei zu erhöhen.

Hydroform, BastaLock, Preload Adjust, Speed Lock Hydraulic Damping, Double-Density, Micro-Adjust.

Wer das erste Mal eine deutsche(!) Beschreibung eines Fahrrades liest, fühlt sich wie beim Fachmonolog eines englisch sprechenden Verkäufers. Ergebnis: die Augen werden immer größer, der Mund zunehmend offener und der Stapel an Fragen erreicht vorschnell sein Maximum.

 

Englische Fachbegriffe sind nützlich, sobald sie eingedeutscht sind. Bestes Beispiel ist die E-Mail. Ob nun aber eine Hydroform eine Pflanzengattung, eine Wolkenart oder doch die Form des Fahrradrahmens beschreibt, lässt sich leider nur aus dem Kontext erraten.

 

Beim Preload Adjust werden die Einstellungen (für die Fahrradgabel) gewiss nicht schon im Voraus geladen. Wofür man beim Fahrrad die Geschwindigkeit mit der hydraulischen Befeuchtung blockieren oder sperren kann? Keine Ahnung. Das Speed Lock Hydraulic Damping macht gewiss etwas anderes. Nur was? Und was hat es bei den Lenkergriffen mit der “doppelten Dichte” (Double Density) auf sich? Nur der Fachmann wirds wissen.

 

Es gibt Rahmen aus doppelt konifiziertem Aluminium, manches ist semi-integriert, vieles ist lightweight und Spezielles gar super-lightweigt. Super-blöd fühlt man sich auch, wenn man die Beschreibung nicht versteht.

 

Wieso benötigt man zum Kauf eines Fahrrades ein Englisch-Diplom oder zumindest ein englisches Fachwörterbuch? Wird ein Fahrrad schwerer, wenn es nicht mehr nur “superleicht” ist? Eine “Feineinstellung” ist ebenfalls kein Beinbruch. Sie wird durch ein Micro-Adjust auch nicht genauer.

 

Ach ja: Fahrräder gibts es ja auch schon lange nicht mehr. Diese Uralterfindung blieb im 20. Jahrhundert zurück. Heute gibt es nur noch Montainbikes, Crossbikes, Citybikes und Cruiser. Nur beim Rennrad ist immer noch alles wie zur ersten Tour de France. Ist das Racingbike zu hipp?

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