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Gratis-Musik: in China ja, in Europa nein

vom 22. Juli 2011, von Oliver Heim
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Die Musikindustrie beklagt oft und gern, dass ihnen durch den illegalen Download von Musik jährlich ein Schaden von mehreren Millionen Euro entsteht. Nicht nur aus diesem Grund gibt es in Europa starke Gesetze für das Urheberrecht, welche auch immer wieder in Anspruch genommen werden. In China, dem Land der massenhaften Kopien, hat man indes einen Deal mit der größten Suchmaschine Baidu geschlossen. Die chinesischen Nutzer können im Land der aufgehenden Sonne per Stream sich kostenlos von über 500.000 Musiktitel anhören. Gratis.

In Deutschland lässt die Musikindustrie jährlich Tausende von Tauschbörsennutzer verklagen. Wer auf illegale Weise sich einen Musiktitel herunter lädt, läuft Gefahr von einer Anwaltskanzlei eine Unterlassungserklärung zu erhalten und muss meist 100 Euro und mehr für diesen Fehler bezahlen. In Frankreich sogar sperrt man nach dem wiederholten Vergehen den Internetanschluss. In England wird ähnlich rigoros gegen illegale Downloader vorgegangen.
Auch wer ein selbst erstelltes Video mit einem nicht lizenzierten Song unterlegt und bei Youtube hochlädt, kann zusehen, wie das Video Minuten später automatisch gesperrt oder wieder gelöscht wird. Das Problem hierbei heißt GEMA (Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte). Da sich Musikindustrie, Youtube und GEMA nicht auf Ausgleichszahlungen einigen können oder wollen, bleibt es weiterhin untersagt, fremde Musik in eigenen Videos zu verwenden. Die GEMA ist schließlich zum Schutz der Produzenten und Musiker eingerichtet worden.

Geht man auf die chinesische Suchmaschine Baidu und tippt dort den Namen eines Musiktitels mit dem Zusatz “mp3″ oder “download” ein, erhält man massenweise Fundstellen für den illegalen Download der Musik. Die in Europa oder den USA ansässige Musikindustrie ist dagegen so gut wie machtlos. Auch gibt es auf dem chinesischen Markt ein riesiges Angebot von kostengünstigen Kopien; so wie beispielsweise auch in allen lateinamerikanischen Ländern.
Wo die Musikindustrie also nicht viel verdient, erfindet sie sich neu und öffnet sich neuen Vertriebswegen. Sony, Warner und Universal verdienten in China im Jahr 2010 magere  64 Millionen Dollar. 99 Prozent der Musikangebote seinen illegaler Natur. Die großen Drei haben sich nun mit Baidu darauf geeinigt, dass ca. 500.000 Musikstücke legal per Stream angehört werden können. Später soll sogar eine Download-Option für kleines Geld dazu kommen. Einigen konnte man sich mit Baidu deshalb, weil die chinesische Suchmaschine wohl eine Ausgleichszahlung angeboten hat. Über die Höhe dieser Vergütung ist nichts bekannt; all zu groß wird sie wohl nicht sein.

Das Beispiel zeigt: wo viel Geld zu holen ist, nutzt die Musikindustrie alle Mittel und Wege, um so viel Geld wie möglich aus dem Markt abzuschöpfen. In den USA und Europa funktioniert dies (noch). In China hingegen geht man andere Wege und biedert sich dem mit Musikfreund mit einem prinzipiell kostenfreien Angebot an. Und wer kombinieren kann, erkennt dass wir ehrlichen Konsumenten das kostenfreie Angebot für die Chinesen mitfinanzieren. So herrlich pervers kann man die kapitalistische Marktwirtschaft sein.

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