Ein Zoo ist Tierquälerei
vom 2. Juni 2011Im März starb Eisbär Knut im Berliner Zoo. Im April starb ein Elefanten-Mädchen und jetzt vor ein paar Tagen starb das nächste Elefanten-Kind im Zoo. Immer wieder kommt es zu tragischen Todesfällen und alle wundern sich. Mal sagen Zoobesucher oder/und Zoobetreiber, es wäre dem Stress geschuldet, oder mal war ein Virus im Spiel. Im Forum des Tagesspiegels ist dazu eine heftige Diskussion entbrannt, ob es nicht an den Hygienebedingungen gelegen haben könnte. Was man auf keinen Fall sagen darf: Zoohaltung für Wildtiere ist Tierquälerei.
Dies musste ich mit meinen eigenen Kommentaren im Tagesspiegel-Forum feststellen. Man kann alles kritisieren; nur nicht die Haltungsbedingungen. Die echten Hardcore-Zoobesuchern steigen einem aufs Dach, wenn man die Bedingungen in Tierparks anspricht. Dort wäre alles artgerecht und ausreichend groß bemessen, heißt es unisono. Und auch die Pfleger wären hinreichend geschult. Dass die Pfleger nicht schuld an der Misere sind, würde ich auch noch bejahen. Doch was ist eine artgerechte Haltung? Doch wohl nur das, was irgendwelche Experten für artgerecht halten. Die Tiere selbst kann man ja nicht fragen, ob ihnen ihr Laufstall gefällt.
Im Forum streitet man sich übrigens nicht über die Größe des Terrariums der Wildlaus. Nein, es geht ausschließlich um (große) Wildtiere, die in freier Wildbahn viel mehr Platz genießen. Ich hatte folgendes Beispiel gebracht: man soll sich vorstellen, man darf bis ans Lebensende seine 100 qm große Wohnung nicht mehr verlassen. Eingesperrt in den eigenen vier Wänden sozusagen. Täglich kommt ein Pfleger und bringt einem das Essen. Und ab und zu gibt es Therapiestunden. Kein Mensch würde diesem Plan zustimmen, aber für die Wildtiere im Zoo ist es offensichtlich gut genug.
Als Antworten bekommt man dann zu hören, dass Tiere in freier Wildbahn auch nicht unbedingt länger leben. Und dass Tiere in freier Wildbahn nur deshalb so viel Fläche nutzen, weil sie ständig auf Futtersuche sind. Das sind Argumente aber keine Begründungen dafür, dass Wildtiere im Tierpark eingesperrt werden sollten.
Wildtiere, die gefangen gehalten werden, verblöden mit der Zeit. Und sie neigen sehr zu apathischen Verhaltensweisen. Wie würden Sie sich persönlich fühlen, wenn Sie in 20 Jahren die immer gleichen 10 Personen um sich herum sehen, riechen und hören würden? Und um nochmals auf das Beispiel zu kommen, bis ans Lebensende in der eigenen Wohnung eingesperrt zu sein: sie würden nach Jahren auch lethargische Verhaltensweisen aufzeigen.
Tiere haben keine Lobby. Und den Aufstand der Tiere gibt es auch nur in einem Roman von George Orwell. Tiere (im Zoo) sind unsere Sklaven. Wir halten sie in Käfigen gesperrt, damit man gegen ein Eintrittsgeld in die Nähe der Tiere kommen darf. Einen wilden(!?) Tiger aus nächster Nähe bestaunen zu können, hat schon etwas. Und wer würde in freier Natur die Möglichkeit haben, einem Elefanten auf 10 Meter Entfernung nahe zu kommen? Doch so schön diese Anblicke sind, sie dienen nur der Existenzberechtigung des Zoos. Ein Tierpark ist ein Wirtschaftsbetrieb. Wenn keine Zoobesucher kommen würden, könnte man sich die aufwendigen Stallungen, das Futter und das Personal nicht leisten. Und um möglichst viele Besucher in den Zoo zu locken, braucht es Attraktionen. Knut, Flocke und andere possierliche Tiere stehen dabei nur exemplarisch für ein perfektes Marketing der Zoobetreiber.
Wir – also die denkende Überrasse der Tiere – leisten uns den Luxus von Zoo-Anstalten, damit ganze Familien einen schönen Tag unter Tieren genießen können. Zum Glück sind wir als Besucher diejenigen, die vor der Glasscheiben stehen. Man könnte Kindern allerdings auch ohne Zootiere klar machen, dass Tiger und Elefant in freier Wildbahn bedrohte Tierarten sind. Dazu muss man Wildtiere nicht in Gehegen eingesperrt halten.
Die Betreuung von Zootieren ist aufwendig. Man muss die Viecher bei Laune halten, damit sie nicht vorschnell total lethargisch werden. Man muss Medikamente und Aufbaupräparate verabreichen, weil bei Zootieren (ebenso wie Menschen) das Immunsystem unter isolierten Bedingungen sich abschwächt. Aber den Tieren geht es allen gut, versichern die Zoobetreiber – und viele Zoobesucher ebenso. Da frage ich mich nur: woher wissen die das?
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