Cleanergizer – Wunderding oder Bauernnepp?
vom 17. Oktober 2011Beim TV-Shoppingsender HSE24 wird seit ein paar Wochen ein neues Wundermittel verkauft: der Cleanergizer. Dabei handelt es sich um ein kleines Stück Kunststoff (in blau, grün oder weiß), welches normales Wasser in perfektes Putz-, Gieß- und Trinkwasser umwandeln soll. Der kleine Plastikanhänger kostet 40 Euro. Doch was ist perfektes Wasser und was macht dieser Cleanergizer zum perfekten Haushaltshelfer? Handelt es sich wirklich um einen Wasseraufbereiter oder nur um himmlische Effekte?
Die Firma ZARO Biotec aus der Schweiz bzw. dessen Inhaber Robert Zach stehen hinter dem Cleanergizer. Alternativ wird das Produkt auch unter der Bezeichnung eClypsi angeboten. Es geht jedoch immer um die Wasserenergetisierung. Und dabei hilft angeblich dieses Plastikteil. Das Wasser wird mit dessen Hilfe energetisiert. Jeder Kunststoffstein ist – laut Hersteller – energetisiert durch einen Bioreaktor in Kuffstein/Tirol. Wieso es von diesem Wunder-Bioreaktor nur drei Stück auf der Welt gibt, lässt sich nicht genauer recherchieren. Auch Bilder dazu gibt es keine. Dieser Bioreaktor gibt den im Cleanergizer gespeicherten Wasser die gesunden Grundinformationen. Gibt man nun wiederum dieses Plastikteil in einen Wasserbehälter, wird dieses Wasser mit den Grundinformationen neu strukturiert. Eine wissenschaftliche Nachweisbarkeit ist schwer zu erbringen, da Bioenergie sich mit Instrumenten der Schulphysik nicht messen lässt. Vergleichbar ist hier das Suchen von Wasseradern mit Wünschelruten.
Kommen wir zur Produktpräsentation bei HSE24. Der Präsentator Mark Kühler betont, dass in diesem Kunststoff (aus 100% Polyamid) automatisch 2,6 Prozent Wasser enthalten sind. Dem ist deswegen nichts entgegen zu setzen, da in PA6-Polyamid – besser bekannt als Neylon – generell ca. 2,6 Prozent Wasser speichert sind. Siehe dazu Feuchtigkeitsaufnahme in % im Wikipedia-Artikel zu Polyamide. Polyamid ist kein spannender Kunststoff und löst sich auch nicht in Wasser. Daher ist er völlig unbedenklich bei normalen Gebrauch.
In der Präsentation geht es mit dem pH-Wert weiter. Mark Kühler: “Wir erhöhen damit dem pH-Wert.” Dieser Nachweis ist äußerst schwierig. Denn für die Bestimmung des pH-Wertes gibt es diverse Faktoren, welche den Wert verändern bzw. beeinflussen können. Zum einen die Wassertemperatur selber und zum anderen die Zeit, welche das Wasser sich in einem offenen Gefäß befindet. Beispielhaft hat das Berliner Trinkwasser im Durchschnitt einen pH-Wert von 7,3 bis 7,5 und kann daher als neutral bezeichnet werden. Die Aussage von Herr Köhler, dass das Wasser meist sauer ist und wir generell zu viel saure Flüssigkeiten zu uns nehmen, kann ich in dieser Form nicht gelten lassen.
Doch gerade beim pH-Wert beruft man sich gleich mehrfach auf Prüfberichte von (renommierten) Laboren. Da ist zum einen der Laborbericht von Riviera (PDF). Die Messreihen sollen zeigen, dass mit zunehmender Zeit und der Nutzung des PA6-Cleanergizer die ph-Werte zunehmen. Dem läuft eine Information eines Whirlpool-Herstellers entgegen. Auf dessen Seite “Was ist der ph-Wert?” gibt der Hersteller unter Punkt 2 den Hinweis, dass der pH-Wert sich von selbst verändern kann. Bei einem Anstieg der Temperatur und bei Verwirbelungen zerfällt die im Wasser gelöste Kohlensäure (H2CO3) in Kohlenstoffdioxid (CO2) und Wasser (H2O). Der Kohlenstoffdioxid-Anteil gast aus, das Wasser verliert Säure, wird damit basisch und somit steigt der pH-Wert.
Es gibt auch einen Prüfbericht vom Fraunhofer Institut (PDF). In diesen Prüfreihen lässt sich leicht erkennen, dass der pH-Wert sich vom unbehandelten zum energetisierten Wasser nicht unterscheidet; sowohl bei einer normalen als auch bei einer chlorierten Probe. Die Vergleichsproben waren bei der Fraunhofer-Messung beide gleich alt, hatten alle die selbe Temperatur und den selben Druck. Wo ist also die versprochene pH-Veränderung beim Cleanergizer-Wasser? Ich erkenne keinen.
Wenn man Begriffe wie Tachyonen-Energie, Biophotonen oder Lebensenergie hört, denkt man unweigerlich an spirituelle Geistheiler. Mir erging es so, als ich die Präsentation vom Cleanergizer gesehen hatte. Und leider hat sich bist jetzt meine Meinung nicht grundsätzlich geändert. In der Präsentation wurde gezeigt, wie man mit dem energetisierten Wasser Honig und Butter lösen kann. Bei einem Selbstversuch mit ortsüblichem Leitungswasser gelang mir das auch. Man muss nur ein bisschen reiben und die Körperwärme nutzen.
Ich kann die Wirkung des Cleanergizer nicht einschätzen. Vielleicht muss man ernsthaft daran glauben, damit es wirkt. Vielleicht liegt es aber auch nur an meiner negativen Energie, dass ich nichts Positives an dem Plastikteil finden kann. Ich persönlich verzichte dankend auf energetisch korrektes Wasser und spare mir lieber die 40 Euro.
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